Abrüsten für die Energiewende

Quelle: 
www.nw-news.de vom 25.01.2012

Gütersloh. (von Rolf Birkholz) Noch ist nicht sicher, ab wann die Briten ihre Gütersloher Garnison aufgeben, von 2020 war zuletzt die Rede. Ebenso unklar ist, was dann zumal mit dem 340 Hektar großen Flughafengelände passiert. Einheimische Initiativen wollen sich dafür einsetzen, mit möglichst breiter Bürgerbeteiligung zu planen. Die Attac Regionalgruppe sowie die Initiativen "Energiewende Gütersloh" und "Demokratie wagen!" hatten jetzt zum Thema "Gütersloh rüstet ab - Flughafen als Bürgerenergiepark?" eingeladen. Rund 40 Interessierte waren ins Bambi-Kino gekommen. Denn Referent Kurt Gramlich von "Energiewende" hatte einen Filmspot mitgebracht, in dem die Soul-Sängerin Angela Brown dazu aufruft, die Klimaveränderung aktiv zu verlangsamen. Für seine Initiative ist die Energiefrage das umfassendere Anliegen, die künftige Nutzung des Flughafengeländes aber ein wichtiger Aspekt dabei.

Nach einem Bericht über die Tagung zur Konversion des Militärgeländes in der Stadthalle im Oktober stellte der gebürtige Freiburger, der, wie er sagte, Mitte der 70er Jahre im Kampf gegen das Atomkraftwerk Wyhl für Umweltschutzbelange sensibilisiert wurde, drastisch die alltägliche wie auch die schon etwa bei der Stromerzeugung durch Großanlagen stattfindende Energieverschwendung dar.

"Das Energie-System ist so nicht nachhaltig", sagte Gramlich, man müsse das "radikal ändern." Als einen möglichen Ort für dezentrale Energiegewinnung beschrieb Gramlich das Flughafenareal: Als einen "Bürgerenergiepark" in Bürger- statt in Konzernhand, mit dem im Idealfall erreicht werden könne, "dass der Kreis Gütersloh sich selbst versorgt." Gütersloh müsse eine hoch angesiedelte "Stabsstelle Klimaschutz" einrichten.

"Wir wollen uns einmischen", bekräftige der Referent, gestand aber zu, beim Flughafengelände nicht auf den Energiesektor fixiert, sondern inhaltlich offen sein zu müssen. Jemand schlug ein entsprechend offenes "Bürgerforum Flughafenkonversion" vor. Es kam auch die Idee auf, eine Genossenschaft zu bilden und die Fläche selbst - auch mit Beteiligung örtlicher Kreditinstitute oder der Stadtwerke - zu kaufen. Eigentümerin ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Planungshoheit liegt bei der Stadt. Gramlich nannte das Gelände "ein Goldstückchen, das nicht verscherbelt werden darf."

Detlef Fiedrich ("Demokratie wagen!") regte ein Netzwerk aller Interessierten an. Kurt Gramlich: "Was mir fehlt, sind die Jugendlichen." Es gehe nämlich darum, die Umwandlung so zu gestalten, dass die Nachkommen bestätigten, man habe "die richtige Entscheidung " getroffen.

Am Klinikum rollen die Bagger schon an

Quelle: 
Neue Westfälische, Gütersloh im Dez.2011

von Ludger Osterkamp / NW Gütersloh, 17.12.2011

Gütersloh. Nur drei Tage nach der Bürgerversammlung haben am Städtischen Klinikum die Vorarbeiten für die geplante Erweiterung begonnen. Bürger und Anwohner fühlen sich überrollt. „Unter einer Bürgerbeteiligung stelle ich mir etwas anderes vor“, sagte am Freitag Dr. Wilhelm Ahlert. Der 70-jährige Orthopäde sagte am Freitag, bei einem derartigen baulichen Vorpreschen verkomme eine Bürgerversammlung wie am Montagabend zu einer Alibiveranstaltung. „Wir werden über die Pläne informiert, dürfen etwas dazu sagen, aber im Grunde ist längst alles festgezurrt.“ Ahlert und seine Mitstreiter Robert Friedrichs und Hans-Joachim Heese zeigten sich gestern konsterniert, dass an Brunnen und Virchowstraße das Abholzen bereits begonnen habe. „Mich stört, dass ein langfristig wirkendes Projekt derart durchgepaukt wird“, sagte der 69-jahrige Orthopäde Robert Friedrichs. Es sei kaum Gelegenheit, sich grundsätzliche Gedanken zu machen, etwa über einen Neubau. „Ich fühle mich überfahren“, sagte Friedrichs. Dass die frühzeitige Bürgerbeteiligung mit Offenlegung des Bebauungsplanes in die Weihnachtszeit gelegt werde, wo viele Menschen anderes im Sinn hätten, passe ins Bild. Bis 29. Dezember haben Bürger Gelegenheit, die Pläne im Rathaus einzusehen und Anregungen vorzubringen.

Ahlert sagte, diese Frist sei viel zu kurz. Er habe vor gut zehn Tagen den Bebauungsplan einsehen wollen, habe aber aus dem Rathaus den Hinweis bekommen, dass sei erst ab dem Tag der Bürgerversammlung, also am vergangenen Montag, möglich. Dabei war der Aufstellungsbeschluss bereits im Juli gefallen. Ferner, so Ahlert, warte er auf das Protokoll von der Montagsversammlung. „Dabei war es uns binnen 24 Stunden versprochen worden.“ Auf diese Weise werde der Bürger hingehalten, um wenig Zeit für Einwände zu haben. „Für uns Bürger wird ein künstlicher Zeitdruck geschaffen, das ist nicht in Ordnung.“

Klinikum-Geschäftsführerin Maud Beste sagte am Freitag, sie habe viel Verständnis für Sorgen, aber den Vorwurf, die Bürger würden überfahren, weise zurück. „Wir waren von Anfang an bemüht, so offen wie möglich mit den Dingen umzugehen.“ Beste verwies darauf, dass bereits Ende Juni, vor dem Feststellungsbeschluss, das Klinikum zu einer Anwohnerversammlung geladen hatte. 450 Schreiben waren dazu verteilt worden, 70 bis 80 Interessenten seien gekommen. „Uns ist wichtig, dass alle wissen, was hier passiert.“

Während der zweiwöchigen Offenlage im Rathaus und Internet habe jeder Bürger die Möglichkeit, sich zu äußern. Ab Januar werte der Fachbereich Stadtplanung die Stellungnahmen aus. Im Frühjahr werde sich der städtische Planungsausschuss mit den Anregungen befassen, danach folge eine weitere vierwöchige Offenlage der Pläne. „Ich kann nicht erkennen, dass da jemand übergangen wird.“ Das Abholzen der Bäume auf dem Klinikumsgelände sei erfolgt, um Abwasserkanäle verlegen zu können - Voraussetzung, um später mit den Baumaßnahmen beginnen zu können. Der Kahlschlag sehe nicht schön aus, aber er sei nur vorübergehend. „Wir werden aufforsten und ganz viel tun, um das Gelände wieder zu begrünen.“

In der Bürgerversammlung am Montag hatten sich viele Teilnehmer kritisch zu den Plänen geäußert. Sorgen löste vor allem das geplante Parkhaus an der Ecke Virch0W-/Brunnenstraße aus. Zwölf Meter hoch, fürchten sie die Massivität des Baus. Gleiches gilt für das elf Meter hohe Ärztehaus Il. Die Stadt teilte gestern mit, den Parkhaus-Plan in Bezug auf Schall- und Lichtimmissionen zu überarbeiten. Auch die Hinweise des Gestaltungsbeirates würden berücksichtigt. Ferner sei ein Planungsbüro beauftragt, einen neuen Entwurf einer 3-D-Ansicht anzufertigen, auf der die spätere Begrünung des Gebäudes und der Fläche am Parkhaus besser sichtbar werde.

Während Kritiker wie Ahlert, Friedrichs und Heese fürchten, dass die Erweiterung des Klinikums und das Parkhaus mehr Autos anziehen, geht die Stadt nicht davon aus. Laut Gutachten des Ingenieurbüros Blanke Ambrosius fänden mit dem Parkhaus Besucher und Mitarbeiter künftig schneller einen Parkplatz; dadurch würden die Straßen von Suchverkehr und wildem Parken entlastet. Weiter heißt es: „An allen an das Klinikum angrenzenden Straßen sind Kapazitätsreserven von mehr als 50 Prozent vorhanden.“

Aktuell wird laut Stadt zudem überlegt, ob die Route der Buslinie umgelegt werden kann. Nach den am Montag vorgestellten Plänen soll der Bus über Park- und Brunnenstraße fahren, mit einer Haltestelle vor dem neuen Hauptzugang zwischen Ärztehaus II und Parkhaus, und weiterem Verlauf über die Virchowstraße. Ahlert: „Die Anwohner haben gelacht über diesen Plan. Sie halten es für nahezu unmöglich, dass der Bus von der Park- in die Brunnenstraße kommt.“

Ahlert sprach bei der Bürgerversammlung vielen Teilnehmern aus dem Herzen, als er den Standort des Klinikums mitten in einem Wohngebiet grundsätzlich ungeeignet nannte und für eine Verlegung plädierte. Die Funktionalität des Klinikums sei durch jahrzehntelanges Anbauen nicht mehr gegeben. Die ungünstigen Arbeitsabläufe wirkten sich negativ auf Patienten, Mitarbeiter und Kostenstruktur aus. Daran würden auch 50 Millionen Euro Investitionen nichts ändern. Friedrichs sagte, mit dem Abzug der Briten würden in wenigen Jahren große Flächen frei. Das biete eine einmalige Chance, ein Zukunftskonzept fürs Klinikum zu entwickeln. „Bis dahin sollte ein Baumoratorium gelten.“

Beste lehnt Diskussionen über einen Neubau grundsätzlich ab. „Der kostet 150 bis 170 Mio. Euro, und das Land gibt für so etwas keinen Zuschuss mehr.“ Vor zehn Jahren sei das möglicherweise noch eine Option gewesen, heute nicht mehr.

 

Naturschützer bestürzt über Rodung am Klinikum (NW Gütersloh, 19.12.2011)

Rechtliche Schritte vorbehalten / Krankenhaus mangelnde Beteiligung vorgeworfen / Hinweise auf geschützte Fledermausarten 

Gütersloh (ost). Der Bund für Umwelt- und Naturschutz i (BUND) hat sich bestürzt über die Arbeiten am Stadtischen Klinikum geäußert. „Als formal beteiligte Institution des ehrenamtlich getragenen Naturschutzes fühlen auch wir uns völlig überrollt“, sagte der Gütersloher BUND-Vorsitzende Achim Hertzke gestern. „Wir fordern den sofortigen Stopp allerArbeiten, um die demokratisch und rechtsstaatlich gebotenen Beteiligungsvorarbeiten leisten zu können und weiteren, nicht absehbaren Schaden für geschützte Tierarten zu vermeiden.“ Der Verband behalte sich rechtliche Schritte gegen die verantwortlichen Institutionen vor.

Die Erklärungen der Klinikleiterin Maud Beste (NW von Samstag) seien keinesfalls überzeugend. Hertzke äußerte den Verdacht, es würden vollendete Tatsachen geschaffen, „die eine umfassende demokratische und fachliche Beschäftigung mit dieser Baumaßnahme überflüssig machen“. Zusätzlich zum Baustopp forderte der BUND, einen runden Tisch einzuberufen. Für das Beteiligungsverfahren, dessen Terminierung in der Weihnachts- und Jahresabschlusszeit unglücklich zu nennen sei, sei die Frist zu verlängern. 

Hertzke sagte, das Vorgehen der Klinik werfe Fragen auf. „Wer hat die Fällung von Bäumen, Grünrodungen und Erdarbeiten zur angeblichen Vorbereitung von Abwasserkanalarbeiten zum jetzigen Zeitpunkt veranlasst? Sind Bäume, die der Baumschutzsatzung unterliegen, gefüllt worden? Hat die zuständige Stelle eine Ausnahmegenehmigung erteilt, wenn ja, mit welcher Begründung? Die gefällten Bäume sind samt Wurzeln entfernt und überwiegend sofort abtransportiert worden. Sollten hier Spuren beseitigt werden?“ Hertzke verwies darauf, dass ein rechtskräftiger Bebauungsplan noch nicht existiere.

Er kritisierte ferner, dass der BUND die Unterlagen zur Verbandsbeteiligung erst am 17. Dezember erhalten habe — vier Tage nach Beginn der Beteiligungsfrist. Zudem habe der Gutachter, der eine artenschutzrechtliche Prüfung für das Gebiet vorgenommen hat, den Hinweise auf Fledermausvorkommen gegeben; als günstigen Zeitraum für den Eingriff habe er September, Oktober genannt - nicht aber Dezember.  

 

"Bauarbeiten am Klinikum genehmig“ (NW Gütersloh, 20.12.2011)

Gütersloh (gpr). Die vorbereitenden Arbeiten für ein zweites Ärztehaus und ein Parkhaus auf dem Gelände des Städtischen Klinikums stehen nicht im Widerspruch zum jetzt eingeleiteten Bebauungsplanverfahren. Das hat gestern das Klinikum mitgeteilt.

Mit Bezug auf die gestern geäußerte Kritik des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) verweist das Krankenhaus darauf, dass die Bauarbeiten und die Fällung der Bäume genehmigt seien. Klinikums-Geschäftsführerin Maud Beste: „Für den Bau des Ärztehauses und die Tiefgarage sowie den ebenerdigen Bau des Parkhauses hat der Investor Fechtelkord und Eggersmann einen gesonderten Bauantrag gestellt, für den es keiner Änderung des Bebauungsplans bedarf, denn die Arbeiten beziehen sich auf einen so genannten ,unbeplanten Innenbereich’ des Geländes.“

Auch in der Bürgerversammlung vergangene Woche sei seitens des Fachbereichs Stadtplanung darauf verwiesen worden, dass eine Bebauung an dieser Stelle möglich sei, sofern sich das Bauvorhaben in seiner Größe den Gebäuden der Umgebung anpasse (Paragraph 34 Baugesetzbuch). Auch das Ärztehaus I sei auf dieser Basis entstanden. Das Bebauungsplanverfahren wiederum beziehe sich auf die übrige Planung, die in der Bürgerversammlung ebenfalls vorgestellt wurde.

Vorbereitend für die Baumaßnahmen am Klinikum wurden in dieser Woche an der Ecke Virchowstraße/Brunnenstraße Bäume und Sträucher entfernt. Die Fällungen waren laut Stadt notwendig, um Platz für einen öffentlichen Abwasserkanal zu schaffen, der parallel zur Brunnenstraße entlang des geplanten Parkhauses verlaufen müsse. Die erforderliche Genehmigung, dabei auch Bäume, die der Baumschutzsatzung unterliegen, zu fällen, habe der städtische Fachbereich Grünflächen erteilt.

Hintergrund: Alle Bäume, die einen Stammumfang von mehr als einem Meter haben, fallen unter die Baumschutzsatzung und dürfen nicht ohne Genehmigung gefällt werden. Eine Befreiung erfolgt nur dann, wenn es keine bauliche Alternative gibt. In diesem Fall, so das Klinikum, sei nur so der Verlauf eines notwendigen Schmutzwasserkanals zu realisieren. Die Genehmigung sei auch mit der Pflanzung gleichwertiger Ersatzbäume verbunden. Im Abstand von etwa 1,5 Metern vom Abwasserkanal, so Maud Beste, würden Baume gesetzt, die bereits einen stärkeren Stammumfang hätten und das Gelände aufwerteten. Des weiteren werde man wieder Sträucher setzen, die das Gelände begrünen würden.

Der BUND-Vorsitzende Achim Hertzke hatte gestern darauf verwiesen, dass laut artenschutzrechtlichem Gutachten Fledermäuse auf dem Klinikumsgelände beheimatet seien. Die Stadt teilte gestern mit, dass während zweier Abend-Begehungen im Mai die Breitflügelfledermaus, die Zwergfledermaus und der Große Abendsegler nachgewiesen worden seien, jedoch nicht in dem Bereich, wo jetzt Bäume und Sträucher weichen mussten. Auf dem gesamten Klinikumsgelände habe der Gutachter sieben zu erhaltende Bäume mit „Habitatsfunktion“ klassifiziert, die als Fledermausquartier geeignet seien. Beste: „Keiner dieser Bäume wird gefällt, gleichwohl werden zusätzlich Fledermauskästen als mögliche Ersatzquartiere eingerichtet.“

Die Stadt wies gestern erneut darauf hin, dass sich die Gütersloher Bürger im Rahmen der Offenlage noch bis zum 29. Dezember über die gesamten Baupläne des Klinikums informieren und Anregungen einbringen können. Ab Januar werte der städtische Fachbereich Stadtplanung die Stellungnahmen aus. Im Frühjahr werde sich der Planungsausschuss mit den eingegangenen Anregungen befassen.

Bürgerbeteiligung sehr gering: 34 Nutzer

Quelle: 
Die Glocke, Gütersloher Volkszeitung, 10.12.2011

Kreis Gütersloh (gl). Die Beteiligung von Bürgern an der Aufstellung des Kreishaushalts 2012 ist alles andere als ein Renner: Gerade einmal 34 Nutzer hatten sich bis Freitagmittag angemeldet — angesichts von mehr als 350 000 im Kreis lebenden Menschen eine sehr ernüchternde Zahl. Auf der anderen Seite meldet die Kreisverwaltung rund 400 Zugriffe pro Tag auf das erstmals eingerichtete Internetportal. Neun Vorschläge sind seit Vorlage des Etatentwurfs am 28. November im Kreistag anonym eingereicht worden. Sieben hat die Verwaltung mit einer Stellungnahme öffentlich zugänglich gemacht, zwei wurden wegen fehlender Zuständigkeit nichts ins Netz gestellt.

Die Mehrheit der zumeist mit Mehrausgaben verbundenen Vorschläge findet bei den Bürgern, die sich an der parallel laufenden Abstimmung beteiligt haben, keine Zustimmung. Nur zwei Anregungen — Überprüfung der Sportförderung und gebundener Ganztag an allen Förderschulen — haben mehr Befürworter als Gegner. Gleich viele Ja- und Neinstimmen gab es bei der Forderung nach mehr Tempokontrollen auf den Kreisstraßen und Autobahnen. Insgesamt wurden bisher 66 Stimmen abgegeben, 32 für und 26 gegen einen Vorschlag. Acht Bürger legten sich nicht fest.

Das größte Interesse findet nach wie vor die unmittelbar nach der Freischaltung des Portals erhobene Forderung nach einer Beteiligung des Kreises am Theater Gütersloh. Sieben Bürger stehen hinter diesem Vorstoß, neun lehnen ihn ab. Der Vorschlag ist auch der einzige des gesamten Portals, der von anderen Nutzern kommentiert worden ist. Zweimal wird das Ansinnen abgelehnt („Wer die Musik bestellt, soll sie auch gefälligst selbst bezahlen“; „Die Theaterbesucher sollen gefälligst kostendeckende Preise bezahlen"). Ein Befürworter schreibt dagegen, dass der Kreis das Theater laut Gemeinde- und Kreisordnung des Landes durchaus als Komplementäraufgabe übernehmen könnte.

Angesichts der Diskussion in Rietberg um einen Skatepark eine solche Anlage kreisweit einzurichten, lautet ein weiterer Bürgervorschlag (eine Ja-, vier Neinstimmen, zwei Enthaltungen). Keine Mehrheiten finden auch die Forderungen, die Volkshochschulen vom Kreis fördern zu lassen und ehrenamtliche Vereine mehr zu unterstützen.

Bis zum 20. Dezember können Bürger Vorschläge zum Kreishaushalt einreichen, wenn sie sich zuvor bei dem Internetportal angemeldet haben. Die Registrierung ist auch für die noch bis zum 9. Januar laufende Abstimmungsphase sowie zur Kommentierung der Vorschläge erforderlich. Die Bürgeranregungen fließen in die Haushaltsberatungen der Kreispolitiker ein. Der Etat soll am 5. März verabschiedet werden.

www.kreis-guetersloh.de

Initiative fordert eine öffentliche Anhörung

Quelle: 
Die Glocke - Gütersloher Volkszeitung, 02.12.2011

Gütersloh (din). Die Bürgerinitiative ,,Demokratie wagen!" fordert in einem Schreiben an die Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke, Maria Unger, eine Bürgerversammlung zum Thema Hallenbad — Neubau oder Sanierung. Bereits eine Resolution vom 17. November der Initiative und von Vertretern der Vereine im Aktionsbündnis sportgerechtes Hallenbad habe die Bitte nach einer öffentlichen Diskussion beinhaltet, an der sich alle beteiligen können und "in der die Fakten zu Kosten, Plänen und Folgekosten auf den Tisch kommen, bevor diese Entscheidung über mögliche Millionenbeträge in der Politik gefällt wird", heißt es in dem Schreiben. Zur Bedeutung von Bürgerbeteiligung zitiert der Sprecher der Initiative, Jürgen Droop, die Haushaltsrede der Kämmerin Christine Lang: ,,Die Bürger können wichtige Erkenntnisse in einen Entscheidungsprozess einbringen, die einen manchmal zum Umdenken veranlassen oder Kompromisse finden lassen." Allerdings müssten Rat und Verwaltung am Ende den Mut haben zu entscheiden, wo sich kein Kompromiss finden lasse. Das Aktionsbündnis für ein sportgerechtes Hallenbad hatte bis zur gestrigen Aufsichtsratssitzung fast 7000 Unterschriften für ein Hallenbad mit Lehrschwimmbecken und Sprungturm gesammelt. Bis Redaktionsschluss war zum Ausgang der Sitzung nichts zu erfahren.

Es kommt beim Bürger dauerhaft nicht an

Quelle: 
nw-news, 23.11.2011 VON HOLGER KOSBAB
Beigeordnete Christine Lang ist vom geringen Interesse am Bürgerhaushalt enttäuscht / Bäder-Vorschläge mit stärkster Beteiligung.
 
Gütersloh. 382 Gütersloher sind bisher dabei, das sind 0,4 Prozent der Einwohner. Mehr machen nicht mit bei der Abstimmung über 44 ausgewählte Vorschläge des zweiten Bürgerhaushalts. Von diesem geringen Interesse ist die zuständige Beigeordnete Christine Lang enttäuscht. "Es war ein Experiment, aber es kommt dauerhaft beim Bürger nicht an", sagt sie.


Noch bis Freitag, 25. November, können die Bürger der Stadtverwaltung und Politik ein Meinungsbild liefern. Vielleicht fehle nach der relativ erfolgreichen Premiere im Vorjahr mit 1.700 Teilnehmern "der Reiz des Neuen", vermutet Lang. Mit der Diskussion um die in diesem Jahr nicht mehr anonym mögliche Vorschlagsabgabe allein lasse sich die schlappe Resonanz nicht erklären, schließlich erfolge die Abstimmung weiter anonym. "Man muss sich dem stellen", sagte sie und ist skeptisch, dass es im nächsten Jahr eine weitere Auflage geben wird. Allerdings wisse sie nicht, wie die Politik dazu stehe. Die niedrige Beteiligung im zweiten Bürgerhaushalts-Durchgang decke sich dabei mit den Erfahrungen aus anderen Kommunen. 

Wie sehr ein Thema die Massen mobilisieren kann, zeigt aktuell das Bündnis für ein sportgerechtes Hallenbad. Innerhalb von zwei Wochen haben die Protestler gegen die Hallenbad-Neubaupläne der Stadtwerke, wie gestern berichtet, mehr als 6.000 Unterschriften gesammelt. Zugleich ist die Bürgerhaushalts-Beteiligung bei allen Vorschlägen rund ums Hallenbad am stärksten. Für einen Neubau am Nordbad waren bis gestern Abend 137 registrierte Nutzer, dagegen 51. Das mit 189 Stimmen positivste Votum gibt es für den Neubau mit einem Lehrschwimmbecken - und nicht wie in der 462.000 Euro günstigeren Variante mit einem Hubboden im Hauptbecken. Dagegen stehen 19 Nein-Stimmen. Für den Bau eines rund 480.000 Euro teuren Sprungturms sind 180 Gütersloher, dagegen 21. Das Aktionsbündnis plädiert für einen 600.000 Euro teureren Neubau mit Lehrschwimmbecken und Sprungturm.

Die separate Nutzung des Welle-Freibades ist bei vier Gegenstimmen von 112 Teilnehmern gewünscht. Viel Zustimmung (115 Pro/21 Contra) hat auch der Vorschlag, die Eintrittspreise für Schüler zu ermäßigen: 50 Cent für die Einzelkarte, 2,50 Euro fürs Wochenticket, 35 Euro fürs Jahresbillet.

Positiv beurteilt (65 Ja/3 Nein) wird auch die Idee der Grünen, städtische Schulden langfristig abzubauen. Ebenso besteht ein Interesse an einer bürgerlichen Patenschaft für Grünanlagen und Spielplätze (82 sind dafür, 10 dagegen) sowie eine Förderung des Radverkehrs (81/6). Bezüglich eines Radfahrverbots in der Fußgängerzone ist die Stimmungslage ausgewogen. Ein ebenfalls ausgewogenes Meinungsbild hat auch der Vorschlag, Busfahren an besonderen Tagen gratis zum Schnuppern anzubieten. Einem kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr stehen die Gütersloher bisher leicht positiv gegenüber (43 Pro/ 36 Contra).

Eher negativ (42 Nein/21 Ja) wird die Auflösung des Stadtmarketing bewertet - ein Thema, das beim Bürgerhaushalt im Vorjahr kontrovers diskutiert wurde. Auch der Verzicht auf die Reaktivierung der TWE-Strecke zwischen Verl und Harsewinkel hat weniger Befürworter (33) als Gegner (44). Dagegen stehen die Gütersloher hinter ihrer Stadthalle: 73 unterstützen den Vorschlag, sie zu sanieren, nur sechs wollen einen Neubau.

22 Vorschläge für die Abstimmphase

Quelle: 
NW-NEWS.de vom 14.10.2011
Gütersloh (hko). Werbung auf der Internetplattform der Stadt, Erhöhung aller von der Stadt beeinflussbaren Steuern und ein Radfahrverbot für die gesamte Fußgängerzone: Mit 22 Vorschlägen soll der Bürgerhaushalt 2012 in die Abstimmphase vom 7. bis 25. November gehen. Ihre Vorauswahl wird die Stadtverwaltung im Hauptausschuss am Montag, 17. Oktober, vorstellen. Die Ratsfraktionen haben die Gelegenheit, weitere Vorschläge auszuwählen und neue einzubringen.


Gegenüber dem Bürgerhaushalt 2011 habe die Zahl der Ausgabevorschläge zugenommen, erläutert Kämmerin Christine Lang in der Verwaltungsvorlage. Darunter fallen auch Investitionsvorhaben. Grundlage der ausgewählten Vorschläge waren die Kriterien Haushaltsvolumen, allgemeine Bedeutung, Umsetzbarkeit und Neuartigkeit sowie der Aspekt, ob eine politische Entscheidung möglich ist. Im Bereich der Bäder hat die Verwaltung zwei Fragen zur Ausstattung des zukünftigen Hallenbades hinzugefügt.

Die Gütersloher selbst haben unter anderem angeregt, die Geschwindigkeit in Tempo-30-Zonen verstärkt zu kontrollieren. Zudem schlagen sie Patenschaften für Spielplätze und Grünanlagen vor sowie die separate Nutzung des Freibadteils der Welle - von der Stadt um den Passus ergänzt, dass "dadurch entstehende Mehrkosten durch Einsparungen/Nutzungseinschränkungen im Bäderbereich an anderer Stelle kompensiert werden sollten". Auch ein "Kulturgroschen" (20 Cent pro Karte) für alle Veranstaltungen, an denen die Stadt beteiligt ist, soll zur Abstimmung stehen. Wie im Gegenzug die Streichung der Zuschüsse für den Kunstverein.

Die Beteiligung am Bürgerhaushalt lag klar unter der der Premiere im Vorjahr. Insgesamt haben 43 Teilnehmer 111 Vorschläge gemacht. Da die Abstimmung jedoch wie im Vorjahr anonym laufe, könne dies kein Grund sein für eine geringe Beteiligung, schreibt Lang. Und lässt offen, ob der Bürgerhaushalt nochmals wiederholt wird: "Sollte die Beteiligung der Bürger an der Abstimmphase gleichwohl hinter den Erwartungen zurück bleiben, sollte die Stadt daraus die notwendigen Konsequenzen für eine zukünftige Fortführung ziehen, da der hohe Aufwand auch gerechtfertigt sein sollte."

Auf die Einstellung des Bürgerhaushalts zielt auch der Vorschlag Nummer 1 auf der Liste. Dies haben gleich Personen angeregt. Für Bürger "Wenzel" ist es nur eine "Alibiveranstaltung".

Abstimmung unter: www.buergerhaushalt.guetersloh.de
 

Beteiligung hinter Erwartungen zurück

Quelle: 
NW-NEWS vom 13. September 2011
Gütersloh. Schreckt die ausschließlich namentlich zulässige Möglichkeit Vorschläge in den Bürgerhaushalt 2012 einzubringen die Gütersloher ab? Die erste Zwischenbilanz nach drei Tagen legt diese Vermutung nahe. Lediglich zwölf Vorschläge stehen bisher zur Diskussion. Vor einem Jahr waren es zu dieser Zeit bereits 70.
Läuft die Beteiligung so weiter, dann wird die zweite Auflage hinter den Ergebnissen der Premiere im Vorjahr deutlich zurückbleiben. Denn nicht nur die Zahl der Ideen, auch die der registrierten Benutzer - nur diese können Vorschläge machen, kommentieren und mitdiskutieren - liegt mit 51 klar hinter den 320, die es im Vorjahr nicht erwarten konnten, ihre Interessen öffentlich niederzuschreiben. Damals allerdings anonym. "Ich hätte mir schon etwas mehr gewünscht", sagte Güterslohs Kämmerin Christine Lang und nannte mehrere mögliche Gründe. So müssten durch die namentliche Nennung jetzt gewisse Hürden überschritten werden. Zudem fehle möglicherweise auch der Reiz des Neuen. "Es ist ein Angebot an die Bürger", sagte Lang. Den Schlussstrich ziehe sie erst, wenn auch die zweite und anonyme Phase der Abstimmung starte. 
 

Dabei wird in den Vorschlägen durchaus Heikles angepackt. Hinter Bürgervorschlag 6 von Nutzer "guetsler" steht die Privatisierung der Stadthalle. Er plädiert dafür, kein weiteres städtisches Geld in den Erhalt und Betrieb zu investieren: "Ein Weiterbetrieb in der bisherigen Form ist nicht sinnvoll, da die Halle jetzt und auch in Zukunft zu wenig genutzt wird und deshalb hohe Zuschüsse benötigt. Die noch verbliebenen Veranstaltungen können auch gut im neuen Theater stattfinden." Der jährliche Zuschussbedarf belaufe sich auch nach einer Komplettsanierung auf eine Million Euro. Daher mache "auch ein Abriss und Neubau der Stadthalle keinen Sinn", schreibt "guetsler" weiter. Mit Zuschüssen von einer Million Euro und Erhaltungsinvestitionen in Höhe von 500.000 Euro bestehe ein jährliches Einsparungspotenzial von anderthalb Millionen Euro.

Um Einsparungen bei der nächtlichen Beleuchtung geht es Bürgerin "Beate": Sie schlägt vor, dass per Telefon Laternenmasten je nach Bedarf eingeschaltet werden sollte (unter dem Namen Dial 4 light - bei Anruf Licht - läuft in Gütersloh bereits ein Projekt. Zudem sollten die Laternen ganz allgemein mit Solarzellen betrieben werden. Bürger "Thorsten" fordert, dass bei den nächsten Kommunalwahlen auf die ganzen Flyer, großen Werbeplakate, Kugelschreiber und Ähnliches verzichtet werden sollte. Stattdessen könnten sich die Kandidaten zum Beispiel eher auf einer Bühne vorstellen. Warum sollte Gütersloh hier nicht mal eine Vorreiterrolle übernehmen, fragt "Thorsten". Eine städtische Bezuschussung des Vereins Trotz Allem - dieser arbeitet mit Frauen mit sexualisierter Gewalterfahrung - schlägt "Hilde" vor. Christian Schröter will "Zuschüsse für Vereine, die nur ihren eigenen Mitgliedern nützen", streichen lassen. Es sei nicht einzusehen, dass beispielsweise Sportvereine finanziell unterstützt würden. Zudem will Schröter überflüssige Schilder abschaffen lassen.

Für Diskussionsstoff dürfte aber vor allem Schröters dritter Vorschlag sorgen: "Bis auf die Kernzone in der Berliner Straße von der Strengerstraße bis zur Kökerstraße könnten die vorhandenen Fußgängerzonen zu Straßen zurückgebaut werden, um den Einzelhandel und die Gastronomie anzukurbeln." Dadurch würde Gütersloh an Urbanität gewinnen - und zusätzliche Parkflächen würden weitere Einnahmen generieren.

 

Bis zum 25. September kann jeder Gütersloher ab 14 Jahren eigene Vorschläge machen unter www.buergerhaushalt.guetersloh.de.

 

Auf ein Wort, GT-INFO, Nr. 421

Quelle: 
GT-INFO, September 2011

Sehr geehrter Karl-Friedrich,

vielen Dank für die große Aufmerksamkeit, die das GT-Info der Bürgerinitiative „Demokratie wagen!" in den letzten Monaten entgegengebracht hat. Für ein Stadtmagazin ist das schon sehr ambitioniert – wir vermuten, Ihnen liegt die Bürgerbeteiligung genau so am Herzen wie uns. In Ihrer Rubrik „Auf ein Wort" enden Sie mit der Frage, wie wir „Bürgerbeteiligung" in Zukunft neu definieren wollen. Hier unsere Antwort.

Einen Satz noch zum Bürgerhaushalt: Sie schreiben, keiner habe die Traute zuzugeben, der sei gescheitert. So platt würden wir das ungern ausdrücken. Den ersten Bürgerhaushalt haben wir in einem 14-Punkte-Katalog differenziert resümiert. Nicht alles war schlecht. Nachzulesen auf unserer Homepage: www.demokratie-wagen.org.

Die zweite Runde Bürgerhaushalt ist gescheitert - stimmt. Mit der Klarnamensnennung und der Vorauswahl der Vorschläge durch die Politik steht nur noch Bürgerhaushalt drauf, wo keiner mehr drin ist. 

Aber jetzt zum Punkt: Wohin geht’s mit der Demokratie in Gütersloh? In den letzten zwei Jahren stammten viele Anträge aus unserer Feder, die mehr Demokratie von Rat und Verwaltung eingefordert haben. Wir haben dabei den offiziellen Weg eingeschlagen: über das Antragsverfahren, wie es die Gemeindeordnung als Beteiligungselement vorsieht. Auch Parteien stellen in der Regel Anträge, wenn sie etwas verändern wollen. In Sachen Beteiligung sind allerding von dieser Seite keine eingegangen. So viel zu Ihrer Anregung, Beteiligung müsse aus den Parteien entspringen und nicht aus der „APO". 

Als Initiative interessierte uns etwa, wie man die geschlossenen Aktenschränke im Rathaus „gläsern" machen könnte. Der Vorschlag: eine eigene Satzung zur Durchführung des Informationsfreiheitsgesetzes des Landes NRW in Gütersloh. Wie und zu welchem Preis kommen Bürger in unserer Stadt an Informationen, die ihre Belange oder die der Stadt betreffen? Leider haben Politik und Verwaltung gekniffen und sich nur auf eine mickrige Lösung eingelassen - eine Notiz dazu auf der Homepage der Stadt. Um diesen Hinweis zu finden, muss man das Gesetz allerdings kennen. Sie können da gerne mal draufschauen: 

http://www.guetersloh.de/Z3VldGVyc2xvaGQ0Y21zOjMwNDE=.x4s?eCid=1345

 

Der Zustand bleibt also im Rathaus wie gesehen: „Rufen Sie uns an, dann sehen wir weiter", bleibt das Motto derer, die am langen Hebel sitzen. 

Dann wäre da noch unser Antrag, die Ratssitzungen „öffentlich" zu machen. Das sind sie ja qua Gesetz auch schon. Aber mit 60 Sitzplätzen und der Schließung der Türen wegen Überfüllung ist das Thema Öffentlichkeit schnell vom Tisch. Der Antrag, bei Bürgerthemen generell einen größeren Saal zu nutzen, wurde abgelehnt. Von Politik und Verwaltung. „Vertrauen Sie uns, wir sorgen schon dafür, dass der Bürger dabei sein kann", so die Bürgermeisterin. Zweimal hat es mit dem Vertrauen schon nicht geklappt.... Die Beteiligung bleibt wieder auf der Strecke.

 Auch unser Anliegen, das Fragerecht im Rat zu erweitern, hängt in der Luft. Unsere Idee: Auf eine Bürgeranfrage soll nicht nur die Bürgermeisterin antworten, sondern auch die Politik. Bisher ist eine Aussprache nicht vorgesehen. Ergebnis: Abgelehnt! Man denkt jetzt allerdings darüber nach, das Fragerecht auch in die Ausschüsse zu integrieren. „Vor Herbst wird das aber nichts werden", so die Bürgermeisterin. Wir bleiben da am Ball und fragen nach. Versprochen! 

Übrigens haben wir auch bei der Befragung der örtlichen Bundestagsabgeordneten mit Weitblick gehandelt: Wir hatten alle drei zu einem Gespräch über die Finanz- und Wirtschaftskrise und deren Auswirkungen auf die Bürger der Stadt geladen. Gekommen ist nur Klaus Brandner (SPD). Herr Brinkhaus (CDU) und Herr Kamp (FDP) hatten andere Termine zu bestreiten. Die Fragen, die wir gestellt haben, sind bis heute aktuell – und nicht wirklich beantwortet. Das wäre eine originäre Aufgabe der höchsten Volksvertreter. 

Aktuell steht der Antrag auf Beteiligung bei der Planung der „Konversion" auf unserem Plan: Wie geht es weiter mit der Stadtentwicklung, wenn die britischen Streitkräfte abziehen? Bisher ist nur von „Information der Bürgerschaft" die Rede. Echte Beteiligung fängt aber an, bevor es nur noch ums Abnicken von A oder B geht. Wir finden, eine solch große Aufgabe kann nicht ohne die Bürger beraten werden. Oder was meinen Sie? 

Und am Ende möchten wir generell von Rat und Verwaltung wissen, was sie eigentlich unter „Bürgerbeteiligung" verstehen. Und wie genau sie das in Zukunft gewährleisten wollen. 

Sie sehen, wir bleiben am Ball. Mit mehr oder weniger Erfolg. Weniger Erfolg geht allerdings zu Lasten der Gütersloher und ihrer Stadt. Denn nicht gefragt zu werden ist zurzeit wohl der größte Faktor für Politikverdruss und Bürgerproteste. Diese beiden Faktoren aber bringen eine Stadt nicht weiter. Mehr Demokratie und Bürger, die sich einmischen, aber schon. 

Und das kommt - entgegen Ihrer Annahme - doch aus der außerparlamentarischen Opposition (APO), denn sonst hätten die politischen Parteien ihre Wahlversprechen von Bürgerbeteiligung längst einlösen können. Haben sie aber nicht..... 

Jürgen Droop 

Detlef Fiedrich 

Anke Knopp

Auch der Kreis will die Bürger mehr beteiligen

Quelle: 
NW-News, vom 23.06.2011

Einführung möglicherweise schon für 2012

Kreis Gütersloh (ost). Landrat Sven-Georg Adenauer hatte es vergangene Woche bei der Verleihung des Reinhard-Mohn-Preises schon angekündigt: Nach der Stadt Gütersloh und der Gemeinde Herzebrock-Clarholz will nun auch der Kreis Gütersloh einen Bürgerhaushalt einführen. Das schlägt die Kreisverwaltung vor.

Über ein Internetportal sollen die Bürger demnach Vorschläge für den Kreishaushalt machen können. Dies soll zunächst für die Haushalte 2012 und 2013 gelten. Bewährt sich das Verfahren, könnte diese Form der Bürgerbeteiligung laut Kreisverwaltung dauerhaft etabliert werden. Kommende Woche befasst sich der Finanz- und Rechnungsprüfungsausschuss des Kreises mit dem Thema.
Den Antrag, den Bürger auch auf Kreisebene mehr Teilhabe beim Aufstellen des Haushaltes zu ermöglichen, hatten die Grünen gestellt. In mehr als 60 Kommunen in Deutschland seien Bürgerhaushalte erfolgreich durchgeführt worden; es habe sich gezeigt, dass eine Einbindung der Bürger das Verständnis und das Engagement für kommunalpolitische Fragen steigern könne.
Die Kreisverwaltung schlägt nun vor, eine Internetplattform zu nutzen, die die Gütersloher Infokom bereitstellt. Die Kosten dafür gibt sie mit 15.000 Euro an. Eine vergleichbare Plattform nutzt auch die Gemeinde Herzebrock-Clarholz. Die jährlichen Supportkosten gibt der Kreis mit 3.000 Euro an, plus Personalaufwand.

Der Kreis strebt eine Beteiligungsquote von zwei Prozent an. Zum Vergleich: In Gütersloh hatten sich 1,7 Prozent der Bürger beteiligt. Während in der Stadt Gütersloh derzeit die Parteien diskutieren, die anonyme Nutzung aufzugeben und nur noch namentlich gekennzeichnete Beiträge zuzulassen, plädiert die Kreisverwaltung eindeutig für Anonymität: Sie sei ein Wesensmerkmal des Internets. Nur wer freiwillig möchte, könne seine Daten und Mailadressen angeben.
Der Kreis schlägt ferner vor, die Vorschläge der Bürger zunächst intern zu prüfen. Beschimpfungen, unrealisierbare Vorschläge oder Dinge, für die der Kreis nicht zuständig ist, sollen ausgesiebt werden. Erst danach sollen die Vorschläge zur allgemeinen Diskussion freigegeben werden.

Anonymität verhilft zum Grimme Online Award

Quelle: 
fixmbr.de

Kürzlich sind die Preisträger des Grimme Online Award 2011 bekannt gegeben worden. Darunter ist auch das GuttenPlag Wiki, welches einen erheblichen Teil zur Rückgabe des Doktortitels von Karl-Theodor zu Guttenberg beigetragen hat. Christian Sickendieck von fixmbr.de schreibt dazu sehr treffend:

Immer wieder wird auch in Deutschland darüber diskutiert, ob in einem «freien» Land, wie dem unserem Anonymität überhaupt wichtig sei und man nicht vielmehr dazu verpflichtet ist, mit «offenem Visier» zu kämpfen — gerade im Internet. Das GuttenPlag Wiki und das VroniPlag Wiki sind die wahrscheinlich besten Argumente pro Anonymität, die man jemals im Internet finden konnte. Freiheit bedeutet Mut. Anonymität bedeutet Freiheit. Die Freiheit, dass Argumente zählen und nicht über den jeweiligen Überbringer diskutiert wird.

[... und weiter unten ...]

Wäre zu Guttenberg gestürzt, wenn die Mitglieder bekannt gewesen wären? Nein, das ist auszuschließen. Die Bild und andere selbsternannte bürgerliche Medien hätten sich auf die Informanten gestürzt, deren Leben bis ins kleinste Detail auseinandergenommen, nicht aber die Sache verfolgt. [...] Die beiden Wikis beweisen auf eindrucksvolle Weise, dass Anonymität keine negativen Begleiterscheinungen mit sich bringen muss, sondern zum Vorteil unserer Demokratie positiv eingesetzt werden kann.

 

Den kompletten Artikel gibt es hier bei fixmbr.de.

Ergänzend schreibt jemand in einem Kommentar zu diesem Artikel:

Im Internet weiß niemand, ob du ein Hund oder der Papst bist. Die Anonymität schafft nicht nur Freiheit, sondern vor allem Gleichheit. Es zählt nicht dein Renommee, sondern allein die Stichhaltigkeit deiner Argumente.

 

Wir fühlen uns durch den Erfolg dieser Wikis und der Entscheidung der Grimme Jury voll in unserer Argumentation pro Anonymität im Bürgerhaushalt bestätigt und appellieren weiterhin an die Gütersloher Politik, auch den Bürgerhaushalt 2012 anonym weiterzuführen.