Weberei: Was bisher erreicht wurde

  • 23 July 2026
  • jdroop

Ende 2023 verschlechterte sich das Verhältnis zwischen der Stadt Gütersloh und dem bisherigen Weberei-Betreiber, der Bürgerkiez gGmbH. Eine lange geplante Renovierung der Küche und anderer Räumlichkeiten war nicht rechtzeitig durchgeplant und nicht von der Stadt in Auftrag gegeben worden. Zunächst die Bürgerkiez gGmbH, dann die Stadt nutzten die Gelegenheit, ihr Vertragsverhältnis zu kündigen. Die Zukunft der Weberei war ungewiss, niemand wusste, ob es weiterhin ein soziokulturelles Zentrum in Gütersloh geben würde. Ende 2025 war Schluss in der Weberei und die Renovierung wurde begonnen.

Die Stadt schmiedete Pläne, die Weberei in Eigenregie zu übernehmen. Im März 2024 warf die Initiative "Demokratie wagen!" in einer Stellungnahme der Stadt vor, sie plane eine feindliche Übernahme (https://www.demokratie-wagen.org/artikel/saeulen_der_kulturlandschaft). Der Kulturdezernent Andreas Kimpel war schwer erbost. Ob dieser Vorwurf zum Umdenken führte, ist nicht bekannt. Von einer Übernahme durch die Stadt ist heute jedenfalls keine Rede mehr. Mehrere Aktive versammelten sich aber hinter dem Text von Demokratie wagen! und es reifte die Idee, den Förderverein wiederzubeleben.

Der Förderverein war seit Jahren in einem Passivmodus. Es fanden keine Versammlungen mehr statt und keine Vorstandswahlen. Von den Stammmitgliedern war wenig zu erwarten. Viele waren durch die lange Ruhigstellung demotiviert. Also wählte der noch aktive Vorstandsteil einen Ausweg: er rief ein Aktiventreffen ins Leben, für das mit Hilfe von bestehenden Adresslisten und durch Mundpropaganda geworben wurde. Eine stetig wachsende Gruppe von Aktiven, die einst in der Weberei gewirkt hatten, noch aktiv sind oder aktiv werden wollen, kam zusammen. Sie waren bereit, die Weberei auf neue Füße zu stellen.

Gleichzeitig wurde daran gearbeitet, den Weberei-Förderverein zukunftsfähig zu machen, mit den nötigen Satzungsänderungen, Absprachen mit dem Finanzamt, einer Überarbeitung des Vorstandsmodells und Neuwahlen der Vorstandsmitglieder und Beisitzer. Die vielen entstandenen Ideen wurden gebündelt und den neu gebildeten Arbeitsgruppen, die längst erfolgreich arbeiten, als Auftrag gegeben. Ein Wettbewerb für ein neues Weberei-Logo wurde ausgerufen, der Siegerin-Entwurf am 1.Mai verkündet. Die Mitgliederzahl erhöhte sich innerhalb kurzer Zeit von 40 auf über 350 und wöchentlich werden es mehr.

Die Stadt stellt inzwischen Räume zur Verfügung, die von den Renovierungsarbeiten nicht betroffen sind, so das Studio und das Atelier auf der Weberei-Südseite und das ehemalige Getränkelager mit Außenzugang zum Webereipark. Erste soziokulturelle Aktionen sind somit wieder möglich.

Der seit 2024 unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagende und nur mit Mitgliedern der Verwaltung und der Politik besetzte Weberei-Arbeitskreis des Kulturausschusses öffnete sich und lud Verantwortliche des Fördervereins zur Mitarbeit ein. Man erarbeitete einen Grundsatzbeschluss, der von einer großen Ratsmehrheit außer von den Vertretern der AfD getragen wurde. Er beinhaltet ein sogenanntes Drei-Säulen-Modell, bestehend aus Raumvergabe, Gastronomie und Soziokultur, in dem der Bereich Soziokultur vom Förderverein übernommen werden soll. Ich sehe dieses Säulenmodell eher als ein Getriebe mit drei Zahnrädern, die ineinandergreifen und in dem das Zahnrad der Soziokultur die Antriebskraft darstellt. Die Überlegungen, wie das zu realisieren ist, haben gemeinsam begonnen. Nach einem Gastronomiepartner wird bereits aktiv gesucht.

Wenn alles nach Plan verläuft, gibt es in Gütersloh nächstes Jahr ein Déjà-vu. Schon Anfang der 1980er Jahre gelang es engagierten Bürgerinnen und Bürgern, ihren Stadtmüttern und -vätern das historische Fabrikgebäude zu entreißen, vor dem Abriss zu sichern und in Selbstverwaltung zu übernehmen. Das könnte nun ein zweites Mal gelingen – Glück auf!
Jürgen Droop