Sinn für Realität verloren
Keine Woche ohne Berichterstattung über Einsparpläne. Dass unserer Politiker auf Landes- sowie Bundesebene den Sinn für die Realität verloren haben, ist nichts Neues. Aber das unsere Lokalpolitiker in den Tagen der Finanzkrise nicht aufwachen und weiterhin blind uns regieren, macht mich fassungslos.
Wer ein überregionale Nachrichten liest ist weiß, dass Gütersloh nicht die einzige Stadt ist, die sparen muss. Die Frage ist wirklich nur, wo man mit gesunden Menschenverstand den Rotstift ansetzt. Und da unterscheidet sich Gütersloh von anderen Städten wie zum Beispiel Bielefeld oder Wuppertal gewaltig. Nehmen wir als Beispiel unseren neuen Prunkbau: Unser Theater. Finanziert durch den Verkauf von weiteren „Tafelsilber“ (RWE Aktien) der Stadt, durch weitere Kreditaufnahmen und durch Spenden von Bertelsmann und Miele. Während andere Städte einschränken oder gar vorübergehend aussetzen wollen (wie in Wuppertal), sind unsere lokalen Politiker und realitätsblindem Aktionismus verfallen und gaben und geben meiner Meinung nach viel zu viel Geld für den Neubau und der Unterhaltung aus. Selbst Geld für Buswerbung wird jetzt noch großzügig ausgegeben.
Nur zur Erinnerung: Es gab vor dem Neubau einen Bürgerentscheid um das Theater. Damals sprachen wir uns gegen einen Neubau aus. Hätten unsere Politiker auf uns gehört, wäre vielleicht das jetzige Loch der Stadtkasse wohl kleiner ausgefallen. Es bleibt nur festzuhalten, dass unsere sogenannte Demokratie in Gütersloh vollkommen versagt hat und dass unsere lokalen Politiker die Mehrheitsentscheidung gegen einen Theaterneubau „einen Dreck“ interessierte. Nun steht der Klotz, der ein Wahrzeichen der Stadt, den Wasserturm so klein wirken lässt. Jetzt müssen die großen Lücken im Haushalt, zu dem auch die Unterhaltungskosten des „Luxusobjekt“ Theater zählt, durch teilweise irrsinnige Sparmaßnahmen finanziert werden.
Und wer muss diese Misswirtschaft ausbaden? Wir, das Volk durch Steuererhöhungen oder Erfindung neuer Steuern und auf Kosten unserer allgemeinen Lebensqualität – ob wir wollen oder nicht. Nun soll überall eingespart werden, insbesondere trifft dies Personen, die am wenigsten Schuld an dieser Krise haben.
Wenn ich nun in der Zeitung lesen muss, dass Gütersloh kein Geld für Bildung und den Erhalt des aktuellen Baumbestand hat, dass sich nicht mehr um Spielplätze sowie um die Pflege des Grün auf Verkehrsinseln gekümmert werden soll, um Geld zu sparen, kann ich nur den Kopf schütteln. Sollte man nicht gesunde Prioritäten setzen? Oder wäre eine Änderung des Mottos von Gütersloh „Wohnen im Grünen“ zu „Arm aber sexy“ wie in Berlin sinnvoll?
Ich frage mich, warum die Gütersloher Politikern nicht offener mit ihren Einsparplänen umgehen und die Stimme der Bürger mehr mit einbeziehen. Meine Bitte an die Politiker: Hört auch auf die Stimme der Bürger, auch wenn jetzt gerade keine Wahlen anstehen.