Hallenbad-Neubau wird teurer als erwartet

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nw-news.de vom 17.04.2012

Gütersloh. (HOLGER KOSBAB) Der vom Gütersloher Schwimm- und Schulsport benötigte Sprungturm dürfte bei den Planungen der Stadtwerke Gütersloh (SWG) für einen Hallenbad-Neubau zum Knackpunkt zu werden. Während das ebenfalls geforderte Lehrschwimmbecken berücksichtigt werde, gelte dies für den Turm weiterhin nicht, kritisierte Hans-Dieter Hucke, Vorsitzender der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) Gütersloh. Zudem werde das Bad in jedem Fall teurer als erwartet.

 Hucke ist Mitglied der Arbeitsgruppe aus Aktiven, die die Bedürfnisse der Vereine und Schulen einbringen, und Vertretern der SWG und der Verwaltung. Bei einem zweiten Treffen hatte die mit der Planung beauftragte Ingenieur-Gesellschaft Constrata (Bielefeld) Zahlen genannt, wonach die Kosten stiegen, sagte Hucke. Waren die Neubaukosten für die Grundversion in Modulbauweise bisher bei 3,4 Millionen angesetzt - hinzu kämen das Lehrschwimmbecken, der Sprungturm und die Erweiterung der Umkleiden und Duschen -, so fehlten die Planungskosten. Dadurch rücke ein Neubau in den Bereich der Sanierungskosten für das alte Bad an der Herzebrocker Straße. Aber auch dort müsse neu berechnet werden, da die bisherige Kalkulation überholt sei und mit der Fundamentsanierung sechs Millionen koste, meinte Hucke.

Das Aktionsbündnis für ein sportgerechtes Hallenbad, zu dem neben der DLRG unter anderem der Schwimmverein und die Behinderten-Sportgemeinschaft gehören, sei dabei kompromissbereit: Statt des 3-Meter-Turms sei ein 1-Meter-Brett "eine denkbare Lösung, damit man uns nicht als völlig unnachgiebig bezeichnet", sagte Hucke. Dies würde Geld sparen, da die Wassertiefe nur 3,50 Meter (statt 3,80) betragen und das Dach nicht so hoch sein müsse. Bei 1.500 Ausbildungssprüngen sei eine Sprung-möglichkeit unbedingt notwendig. Dem Vorschlag der SWG, alle Sprünge auf die Sommersaison im Nordbad zu verschieben oder sie in Herzebrock-Clarholz abzunehmen, erteilt er eine klare Absage.

Kalkül vermutet Hucke hinter dem Auftrag für Constrata. Das Unternehmen hatte auch das Osnabrücker Hallenbad geplant, als dort der heutige SWG-Geschäftsführer Ralf Libuda tätig war.Hucke denkt, dass die Planer auf die SWG-Richtung eingeschworen seien. Denn Libudas Handeln unterscheide sich von dem, was er sage: dass er eine einvernehmliche Lösung wolle.

Bis Ende Juni sollen die Planungen so weit sein, dass sie zu einem Beschluss führen können, sagte SWG-Sprecher Roland Stüwe. Zu einem neuen Kostenrahmen machte er keine Angaben. Die SWG hielten sich daran, nicht über den Stand der Arbeitsgruppe zu reden. Erst wenn Ergebnisse mit der bestmöglichen Lösung vorlägen, würden diese präsentiert, erklärte Stüwe im Namen Libudas.

Durch die vormals offenbar zu niedrig angesetzten Kosten sieht Peter Offers (Schwimmverein) eine weitere Gefahr: Die Vereine und Schulen hatten ihre Vorschläge zur Gestaltung eines Neubaus auf Basis der alten Kalkulation gemacht. Nun könne es sein, dass diese durch die aktualisierten Kosten nicht realisierbar seien. Dann wäre es wichtig, "nochmal mit vernünftigen Zahlen agieren zu können". Ansonsten könnte die Glaubwürdigkeit des Bündnisses leiden und eine politische Entscheidung schwieriger werden. Offers favorisiert einen Neubau auf dem Nordbad-Gelände an der Goethestraße. Ein Alternativstandort wäre entlang der Kahlertstraße, dem würden jedoch die heutigen DLRG-Räume zum Opfer fallen.

"Ich hoffe, dass die Arbeitsgruppe wirklich als Gruppe an einem runden Tisch arbeitet und nicht gegeneinander", sagte Annette Böker (Behinderten-Sportgemeinschaft). "Für uns ist Barrierefreiheit am wichtigsten. Doch soweit kommen wir gar nicht." Bisher ende jede Diskussion am Knackpunkt Sprungturm.