Der Protest hat keine Zeit

Quelle: 
Westfalen-Blatt, vom 22.02.2010

Der über Wochen organisierte Protest hat samstags keine Zeit. Anders ist es nicht zu erklären, wo all' die Autoren von Leserbriefen, Stellungnahmen und Protestnoten geblieben sind, als am Samstag-Vormittag im Städtischen Gymnasium offen über den Gütersloher Haushalt debattiert werden konnte.
All jene Eltern, die fortan höhere Kindergartenbeiträge zahlen müssen; die vielen Hundebesitzer, denen eine Steuererhöhung verpasst wurde; die Unternehmer, die über unverantwortlich hohe Gewerbe- und Grundsteuern stöhnen; die Streiter für den Erhalt schulbibliothekarischer Stellen, ohne die Medienkompetenz ja gar nicht mehr zu vermitteln ist. Die gebeutelten Kultur- und Heimatvereinsmitglieder. Die angeblich vor Wut schäumenden Mitglieder der Sportvereine. Gewiss, einige von ihnen waren am Samstag anzutreffen, als es darum ging, nicht nur zu stöhnen, sondern selber Vorschläge beizusteuern, wie die Stadt denn bitte schön mit einem jährlichen Defizit von 26,9 Millionen Euro zurecht kommen soll. Die meisten von ihnen aber hatten am Samstag irgendetwas anderes zu erledigen.
Hauptsache, die eigenen Ansprüche bleiben gewahrt, der Rest ist egal. Auf diese Haltung haben sich Rat und Verwaltung längst schon eingestellt. Wie sonst konnte bei der Anhörung unwidersprochen die Erkenntnis verkündet werden, der Verkauf der Parkhäuser und Tiefgaragen bringe nichts ein, weil der Preis nicht stimme? Das Kaufangebot von Contipark International im zweistelligen Millionenbereich wurde dabei offenbar ebenso vergessen wie die zwei Jahre, die es dauerte, bis die Stadt den Verkaufsauftrag des Planungsauschusses vom Oktober 2005 bearbeitete. Warum? Weil es den Bürgern egal ist.